Dr. Karl Remeis-Sternwarte, Bamberg



Geschichte

Wissenswertes über unser Institut

Ihre Grüundung verdankt die Dr. Remeis-Sternwarte der Privatinitiative ihres Namensgebers, des Bamberger Juristen und Hobbyastronomen Dr. Karl Remeis (1837-1882), der sein gesamtes Vermögen der Stadt Bamberg vermachte und testamentarisch einen Anteil von 400 000 Mark für die Errichtung einer Sternwarte in Bamberg bestimmte, die der astronomischen Forschung dienen und auch der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte. 1883 wurden diese Mittel in eine Stiftung in städtischer Trägerschaft eingebracht. Die Stadt kaufte dann das Gelände am Stephansberg. Ab 1886 wurde als erster Direktor und leitender Astronom Dr. Ernst Hartwig (1851-1923) ernannt. Nach dem Modell der damals modernsten deutschen Sternwarte in Straßburg wurde die Remeis-Sternwarte nach Plänen des Architekten Max Ißleiber vom Bamberger Baumeister Georg Hofbauer errichtet und am 24.10.1889 eröffnet.

Die historische Sternwarte

Die Sternwarte besteht aus einem Hauptgebäude und einem Beobachtungsgebäude mit Meridiansaal und zwei in Ost-West-Richtung ausgerichteten Kuppeln. Beide Gebäude sind durch einen Gang verbunden, der heute zur Ausstellung alter Instrumente, Bücher und Graphiken dient. Außerdem gehört noch ein bereits 1860 errichtetes Nebengebäude zur Sternwarte, in dem sich bis 2007 eine mechanische Werkstatt befand. Zur Beobachtung wurde die Westkuppel mit einem 10-Zoll Refraktorteleskop und die Ostkuppel mit einem Heliometer ausgestattet, das heute im Deutschen Museum in München ausgestellt ist. Mehr als 70 Jahre lang bestanden die Schwerpunkte der Forschung in der Beobachtung veränderlicher Sterne und einer systematischen Himmelsüberwachung der nördlichen Hemisphäre, die gemeinsam mit den Sternwarten Babelsberg und Potsdam durchgeführt wurde. Nach der Einstellung der Bamberger Himmelsüberwachung im Jahr 1962 wurde die Durchmusterung auf die südliche Hemisphäre ausgedehnt. Dazu wurde in der Zeit von 1963 bis 1974 mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft eine Außenstation am Boyden Observatorium in Südafrika von Mitarbeitern der Remeis-Sternwarte betrieben. Die Ausbeute in Form von ca. 40 000 Photoplatten ist vollständig erhalten. Das Photoplattenarchiv ist heute in dem ehemaligen Werkstattgebäude untergebracht. Seit 2012 läuft ein von der DFG finanziertes Projekt, in dem all diese Photoplatten, die teilweise schon über 100 Jahre alt sind, mit hochauflösenden Scannern digitalisiert werden. Dadurch wird einerseits der wertvolle Bestand von historischen Himmelsbeobachtungen gesichert und andererseits in digitaler Form über ein Webportal im Rahmen des internationalen Virtual Observatory Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung gestellt.

1946 wurde die Ostkuppel mit einem 60 cm-Spiegelteleskop und Ende 1985 die Westkuppel mit einem 40 cm-Spiegelteleskop ausgerüstet. Diese beiden Hauptteleskope wurden vor einigen Jahren durch moderne leistungsfähigere und Computer-gesteuerte Spiegelteleskope ersetzt. Diese dienen heute der praktischen Ausbildung der Studenten. Der Meridiansaal wurde zur Institutsbibliothek umgestaltet und beherbergt zahlreiche internationale Fachzeitschriften, historisch relevante Publikationen von 263 Sternwarten aus aller Welt und mehr als 2000 Fachbücher.

Die internationale Entscheidung, zu Beginn der 60er Jahre eine gemeinsame Europäische Südsternwarte (ESO) in Chile zu bauen, bedeutete ab Mitte der 70er Jahre das Ende aller Einzelprojekte von Sternwarten der Bamberger Größe. Dafür können nun auch kleinere Institute die größten und modernsten Teleskope und Instrumente der europäischen Astronomie nutzen.

Das moderne Universitätsinstitut

Nachdem es für die Remeis-Sternwarte in finanzieller und wissenschaftlicher Hinsicht zunehmend schwieriger geworden war, als eigenständige Institution weiterzuleben, erfolgte im Jahr 1962 ein entscheidender Schritt: per Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Bayern, der Stadt Bamberg und der Universität Erlangen-Nürnberg wurde die Sternwarte in die Naturwissenschaftliche Fakultät für Mathematik und Physik der Erlanger Universität aufgenommen. Im Jahr 2007 gründeten die Erlanger Physiker das it Erlangen Center for Astroparticle Physics (ECAP), das die Arbeitsgebiete Neutrinophysik, Röntgen- und Gamma-Astronomie als Bestandteile der Astroteilchenphysik vereint. Die Röntgengruppe der Sternwarte bildet dabei ein wesentliches Element des ECAP. Als integraler Bestandteil des Departments Physik vertreten die Mitarbeiter der Sternwarte das Fach Astronomie und Astrophysik in Lehre und Forschung, sowohl für Hauptfachstudenten als auch für Nebenfächler (vorwiegend aus der Technischen Fakultät). Damit ist unser Institut eines von nur drei Universitätseinrichtungen in Bayern, an denen Astronomie gelehrt und Forschung betrieben wird. Die Bamberger Sternwarte ist übrigens neben der Hamburger Universitätssternwarte das einzige moderne astrophysikalische Institut in Deutschland, das heute noch in seinen historischen Gemäuern untergebracht und aktiv ist.

Die Forschungsschwerpunkte haben sich auf das Gebiet der Astrophysik verlagert. Heute gibt es am Astronomischen Institut zwei Arbeitsgruppen: eine Gruppe befasst sich mit Stellarastronomie und untersucht die Physik der Sterne mittels Spektroskopie, Photometrie und Astrometrie vom ultravioletten bis zum infraroten Spektralbereich. Die zweite Gruppe beschäftigt sich mit hochenergetischen Phänomenen in der Umgebung von Schwarzen Löchern, Neutronensternen und Zentralbereichen aktiver Galaxien vor allem mit Mitteln der Röntgen- und Gamma-Astronomie. Die dazu nötigen Beobachtungen im visuellen und IR-Bereich werden an Großforschungseinrichtungen wie z.B. bei ESO/Chile und Observatorien in Spanien, auf den Kanarischen Inseln und Hawaii durchgeführt. Für Messungen im UV-, Röntgen- und Gamma-Bereich müssen Weltraum-Observatorien verwendet werden. Zu diesem Zweck benutzen die Mitarbeiter der Sternwarte beispielsweise das Hubble Space Telescope sowie verschiedene Röntgen- und Gamma-Satelliten wie z.B. XMM-Newton, INTEGRAL und in Zukunft eRosita. Kombiniert werden diese Beobachtungen auch mit Messungen im Radiobereich. Zur Analyse der Daten und der physikalischen Modellierung stehen zahlreiche Computer des lokalen Institutsnetzes zur Verfügung, die durch Großrechner des Regionalen Rechenzentrums Erlangen, des Landesrechenzentrums in München und vielen Instituten in USA ergänzt werden.

Am Institut arbeiten heute mehr als 50 Mitarbeiter, darunter drei Professoren, drei Assistenten, mehrere promovierte Wissenschaftler auf zeitlich befristeten Projektstellen, zahlreiche Doktoranden, Master- und Bachelorstudenten, EDV-Techniker und eine Sekretärin. Die Projektstellen sind hauptsächlich durch Drittmittel der DFG, des DLR, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Humboldt-Stiftung finanziert. Jedes Semester besuchen etwa ein Drittel aller Physikstudenten die Vorlesungen, Praktika und Seminare, die von den Mitarbeitern der Sternwarte angeboten werden. Jährlich absolvieren etwa 20 Studenten ihre Studienabschlussprüfungen im Fach Astronomie.

Spendenkonto: Nr. 18, Stadtsparkasse Bamberg (BLZ 77050000) Verwendungszweck: Spende für Dr. Karl-Remeis-Sternwarte-Stiftung (unbedingt angeben)

Literatur

Zinner (1939): "Die Remeis-Sternwarte zu Bamberg 1889-1939" (117 Seiten, 20 MB)

Dr. H. U. Sandig (Sonderdruck aus &lq;Sternenwelt&rq;, Heft 9, Jahrgang 1950): "Der 60cm-Spiegel der Remeis-Sternwarte", pdf (nur intern)

Freddy Litten (Dissertation LMU München 1991; Stuttgart [Steiner] 1992): "Astronomie in Bayern 1914-1945"

Andrews (1998): "The Boyden Observatory"

Andraschke, Engelhardt, Ruisinger (2008): "Die Sammlungen der Universität Erlangen-Nürnberg" (p.91–96, 231–233), pdf (nur intern)

Gudrun Wolfschmidt (2008): "Astronomisches Mäzenatentum" (p.155–191): Inhalt, Google-Vorschau, pdf (nur intern)

Der Schröder'sche Refraktor: pdf (nur intern)

"Geschichte der Dr. Remeis-Sternwarte" im ECAP-Seminar: pdf (nur intern)